IGF - Formgedächtnisbasierter Plagiatschutz auf Widerstandsbasis

 

Unternehmen im deutschen Wirtschaftsraum beobachten schon seit Jahren die ansteigende Zahl von Produktplagiaten. Besonders die Verlagerung von Produktionsstätten in Niedriglohnländer sowie die Auswahl von Lieferanten unter Beachtung internationaler Preiskämpfe verstärkt den Wissensabfluss an Drittparteien in Länder mit höherer Plagiatdichte. Als Folge sehen sich Unternehmen mit Nachahmungen ihrer eigenen Produkte konfrontiert, die als Plagiate über Scheinfirmen auf dem Markt des Originalherstellers verkauft werden oder als Factory Overruns den Weg in den Produktlebenszyklus finden. Der wirtschaftliche Schaden für deutsche Güter liegt nach einer Umfrage des VDMA aus dem Jahr 2010 bei geschätzt 6,4 Mrd. Euro. Etwa 28 Prozent der Befragten schätzten ihre Umsatzeinbußen durch Produktpiraterie auf über fünf Prozent.

Die aktuellen technischen Sicherungsmittel zur Erkennung von Plagiaten basieren oft auf optischen Markierungen und damit verbundenen Ausleseverfahren. Hier werden aufgebrachte Strichcodes, Hologramme, Farbpigmente oder in das Bauteil eingelassene Mikro-Fräsungen eingesetzt. Auch RFID-basierte Erkennungsverfahren werden zum Schutz verwendet. Sowohl optische als auch elektronische Sicherungsverfahren haben einen entscheidenden Nachteil: die optischen Markierungen sowie die eingesetzten RFID-Labels sind für den Produktpiraten sichtbar und damit grundsätzlich kopierbar.

Die wissenschaftliche Fragestellung des vorliegenden Vorhabens fokussiert den neuartigen Ansatz der Werkstoffkodierung. Thermisch sensible Funktionswerkstoffe, hier Formgedächtnislegierungen, können durch eine auch lokal begrenzte Wärmebehandlung programmiert werden. Diese Materialien können so konfiguriert werden, dass sie eine bestimmte elektrische Widerstandsantwort in Abhängigkeit eines anliegenden elektrischen Stroms ausgeben. In dieser Widerstandsantwort kann eine gestufte Kodierung programmiert werden. Das „intelligente“ Verhalten der Formgedächtnislegierungen macht ein solch kostengünstiges und fälschungssicheres Schutzkonzept überhaupt erst möglich.

 

Das Projekt wird im Rahmen der industriellen Gemeinschaftsforschung (AiF) in Kooperation mit der Ruhr-Universität in Bochum durchgeführt.